Der Schiedsrichter hat das Wort

Insgesamt 21 Bewerber aus ganz Deutschland stellten sich am vergangenen Freitag bis Sonntag im hessischen Königstein und Umgebung den gehobenen Prüfungsanforderungen zum Erwerb der Qualifikation eines Nationalen Schiedsrichters (NSR). Ich durfte hierbei als einziger Teilnehmer die Farben des Berliner Tischtennisverbandes vertreten und nahm die 600 Km Fahrtstrecke mit sehr gemischten Gefühlen in Angriff. Trotz mehrwöchiger intensiver theoretischer und praktischer Vorbereitung – großen Dank an Martin Becker & Walter Zickert für die tolle Unterstützung – blieb vieles unklar: Kann man sich im doch fortgeschritteneren Lebensalter mit lange zurückliegender Lern- und Prüfungserfahrung dort behaupten? Dazu keine bekannten Gesichter, relativ alleine auf sich gestellt – doch zumindest in diesem Punkt ging es den netten Einzelstartern aus Brandenburg und Sachsen nicht anders.

Der Fahrplan war klar: Freitag ab 18:00 Seminar, Samstag praktische und mündliche Prüfung im Rahmen des Deutschlandpokals der U15-Schüler, Sonntag Seminar und schriftliche Prüfung. Da sich am vergangenen Mittwoch meine Bindehautentzündung zurückgemeldet hat, ergab sich noch ein zusätzliches Handicap, welches mich das gesamte Wochenende recht schmerzhaft begleitet hat – also eher nicht so tolle Voraussetzungen. Die nächste Negativerkenntnis gabs dann gleich im Freitagseminar: eingeschliffene Prozeduren bei den Handzeichen und einigen Ansagen waren mit Fehlern behaftet – schnell „umlernen“ war angesagt, was natürlich nicht vollendet klappte und den messerscharfen Beobachtungen des uns prüfenden kompletten Ressort Schiedsrichter des DTTB nicht entging und dazu auch gleich fotagrafisch für die spätere Auswertung festgehalten wurde. Spiele über Spiele – Stress – die Aufmerksamkeit lässt nach – erst gegen Abend dann die plötzliche Aufforderung zum mündlichen Prüfungsgespräch. Bei einigen Fragen war doch erst mal „schlucken“ angesagt, bevor es langsam dämmerte, was da überhaupt verlangt wurde. Insgesamt hatte ich kein gutes Gefühl nach diesem Tag, der erst ab 20:30 im Hotel ausklang – gemeinsam im großen, zwischenzeitlich zusammengeschweißten, Kreis aller Teilnehmer.

Sonntag Seminar, dann an Einzeltischen die schriftliche Prüfung: 50 Fragen in 30 Minuten. Warum waren nur die Bögen so dick? Die Antwort kam gleich: auf einigen A4 Seiten fanden gerade mal drei Fragen Platz – lange Sachverhalte aus allen Bereichen (Werbung, TTBL, Bundesliga, Regional-und Oberliga, Rollstuhl-TT, Jugendturniere und und und). Nix mit schnell überfliegen, Kreuz machen und nächste Frage. Zwischendrin die Ansagen: noch 15 min – noch 5 min … Gut, ich hab mit Ach und Krach 49 Fragen beantworten können – Gefühlslage: deprimiert, nicht geschafft. Ab zum Mittag – kein Hunger – Stille, alle warten auf die Auswertung – zwischendrin Gespräche: Zeit zu knapp gewesen, nicht geschafft, nur wenige Optimisten – zu denen ich nicht gehörte.

Dann öffnet sich die Tür – eintreten – Blick zum Tisch: zwei Stöße mit Bewertungbögen – aha, es haben nicht alle geschafft, das war jetzt klar. Die ersten Namen und Auswertungen sind dran – warum wird dieser blöde Stoss mit den Bögen derer, die es nicht geschafft haben, nur nicht kleiner? Dann plötzlich – fünf Teilnehmer hatte es erwischt – jetzt gehts zum nächsten Stoss. Aufatmen links neben mir (Brandenburg): wir sind durch, kommt es leise… Ich – immer noch Pessimist. Doch dann kurz vor 14:30 ist es Gewissheit: Logsch – praktisch mit mittelprächtiger Punktzahl bestanden, in der Mündlichen das drittbeste Ergebnis und Mordsglück in der Schriftlichen mit 41 Punkten – Gesamt über 80 irgendwo im Mittelfeld (73 waren gefordert) – Bestanden!

Die Anspannung löst sich – Fototermin – Verabschiedung – ziemlich fertig und noch 600 Km bis nach Hause. Aber auch die habe ich ohne Probleme geschafft, bin jetzt zufrieden und auch ein klein wenig stolz…

Abschließend Dank an unserer Betreuer & Prüfer vom DTTB (A. Gersdorf, M. Zwipp, W. Klaßen & H.-P. Wörner), die trotz aller Anspannung eine lockere und faire Atmosphäre geschaffen und sehr viele positive Anregungen gegeben haben.

Nachsatz: Ich hatte den Frankfurter Raum noch nicht verlassen, da stand es bereits auf der Homepage des BeTTV 🙂 wie man hier lesen kann…

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Über Peter Logsch

1.Vorsitzender des Vereins, Webmaster, Nationaler Schiedsrichter und nicht ganz so starker Tischtennisspieler, der dafür aber keinen Ball verloren gibt. Faszination Tischtennis! Kleiner Ball - großer Sport!


Kommentare

Meteor hat einen Bundesschiedsrichter — 7 Kommentare

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